Schloss Landsberg

Schloss Landsberg ist eine Burg im Doppelpack – einst stand hier die Burg Landeswehr.

Von Walldorf Richtung Meiningen fahrend erkennt man schon von Weitem auf einer grün bewaldeten Bergkuppe (natürlich nur im Sommer) ein imposantes Schloss. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass dieses Schloss nichts mit einem mittelalterlichen Wehrbau oder spätmittelalterlicher Selbstbeweihräucherungsarchitektur zu tun hat und es sich vielmehr um einen postfeudalen, prunkvollen Neubau handelt.

Der gesprengte Bergfried
Der gesprengte Bergfried

Ein Herzog, seine Schwester und ein englischer Architekt

Der Bauherr war Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen, und die Idee brachte er aus England mit. Seine Schwester Adelheid war dort Königin, und was er bei seinen Besuchen an Adelssitzen sah, wollte er zu Hause auch haben. Adelheid ließ die Pläne beim englischen Architekten Sir Jeffry Wyatville entwerfen; ausgeführt haben den Bau August Wilhelm Döbner und Carl Alexander Heideloff.

Herausgekommen ist Neugotik nach englischem Vorbild, gesetzt auf einen 378 Meter hohen Bergkegel am nördlichen Stadtrand von Meiningen. Wer also findet, das Schloss sehe nicht besonders thüringisch aus, liegt richtig – es sollte gar nicht.

Landsberg wurde erst von 1836 – 1840 erbaut, wobei noch vorhandene Reste der einstigen Burg Landeswehr bei der Hofgestaltung verbaut wurden. Später waren darin ein Hotel und ein Restaurant untergebracht; heute steht das Haus leer.

Das heutige Schloss Landsberg
Das heutige Schloss Landsberg

Der Rittersaal und die hundert Stufen

Innen ist der Rittersaal das Prunkstück: acht große Wandgemälde nach Entwürfen von Wilhelm Lindenschmit dem Älteren, dazu Gemächer und Suiten in einer Ausstattung, die keinen Zweifel daran lässt, wofür das Haus gebaut wurde. Im Hauptturm führt eine Wendeltreppe mit hundert Stufen auf die Plattform; von dort geht der Blick über die nördlichen Meininger Stadtteile und Walldorf, ins Werratal, in die Rhön und bis zum Dolmar.

Die Burg, die unter dem Schloss liegt

Hinter den Kulissen bietet sich dem Interessierten allerdings ein völlig anderes Bild, denn hier sieht man die Reste der einstigen Grenzburg Landeswehr bzw. Landeswehre. Erbaut wurde sie im 11. Jahrhundert und aus einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1350 geht hervor, dass ein gewisser Graf Johann von Henneberg-Schleusingen die Burg samt Meiningen als Lehen erhielt.

Ihr unrühmliches Ende fand die Burg zunächst im Bauernkrieg von 1525 und im Dreißigjährigen Krieg wurde sie gänzlich zerstört. Schließlich wurden die Reste um 1682 einfach gesprengt, da man die Steine zur Erbauung von Schloss Elisabethenburg in Meiningen benötigte.

Bei den Jahreszahlen sind sich die Quellen allerdings nicht einig. Die Sprengung wird mal auf 1682, mal auf 1685 datiert. Und während hier der Dreißigjährige Krieg als endgültiger Zerstörer geführt wird, kennen andere Darstellungen nur den Bauernkrieg – dort gilt der 13. Mai 1525 als der Tag, an dem die Burg bis auf den Bergfried und ein paar Mauerstücke fiel. Was davon stimmt, klärt vermutlich nur ein Archiv; wir nennen beides.

Schloss Landsberg - Bergfried

Man kann heute somit nur noch erahnen, wie mächtig diese Burg einmal gewesen ist. Doch sind nicht nur noch Reste der ehemaligen Umfassungsmauer erkennbar, sondern auch der ehemalige Bergfried, dessen Schräglage völlig überwältigend ist. Die immer noch beeindruckenden Relikte der alten Anlage zeugen bis heute von ihrer einstigen Größe.

Die Mauerstärken sind so beachtlich, dass sie noch nicht einmal eine Sprengung zum bersten bringen konnte. Auch der alte Burggraben ist an einigen Stellen noch sehr gut erhalten.

Alter Bergfried von Schloss Landsberg

Vom Ausflugslokal zum verschlossenen Haus

Bis 1918 gehörte das Schloss dem Herzogshaus, danach war es in privater Hand und für Besucher zu. In den 1960er Jahren zog eine HO-Ausflugsgaststätte ein, von 1975 bis 1978 wurde zum Hotel umgebaut, und das Haus geriet zur DDR-Adresse für Diplomaten und Botschafter. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Hot Chocolate und Boney M. – ein Satz, den man über wenige Rhöner Burgen schreiben kann.

1991 übernahm Friedrich-Ernst Prinz von Sachsen-Meiningen, 1997 ging der Betrieb an die Meininger Hotels mit Flair GmbH. Im Dezember 2013 endete der Hotelbetrieb. 2016 kaufte ein chinesisches Konsortium das Schloss, eine für 2018 angekündigte Wiedereröffnung kam nie zustande, und seit 2020 ist ein Hausverwalter vor Ort. Die Stadt Meiningen formuliert es knapp: für die Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich.