die Rhön
entdecken Sie die Rhön online
|1.1  Sitemap |1.2  Suche |1.3  Kontakt |1.4  Impressum |1.5  A-Z |1.6  Rhönlinks |  
 Startseite > Rhoenline > Burgen & Ruinen > Ringwall Gangolfsberg >

Anzeigen
Landhaus Hubertus

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach

... einstige Werinfriedesburg?

Auf dem Gangolfsberg (737 m über NN) bei Oberelsbach befindet sich ein zweiteiliges Wallsystem, welches ein Areal von ca. 400 x 150 Metern umfasst. Die ältesten Funde - einige Tonscherben, die 1938 gefunden wurden - stammen aus der Hallstattzeit (700 - 450 v.u.Z.), d.h. zu Beginn der Eisenzeit.

Man bezeichnet den Wall auch als "vorgeschichtlich" - und er ist mit seinen 6000 m² eine der größten Anlagen im Rhön-Grabfeld. Man vermutet auch, dass die Wallanlage mit der 1059 erstmals erwähnten "Werinfriedesburg" identisch ist. Das Gipfelplateau, auf dem sich die Wallanlage befindet, fällt - mit Ausnahme der Nordseite - nach allen Seiten steil ab. So sind im Grunde genommen fast alle natürlichen Voraussetzungen, die man sich früher für eine Befestigung zu Nutze machen musste, geschaffen. Und was die Errichtung dieser Wallanlage besonders "einfach" machte ist, dass es jede Menge Steine gab.

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach
Der Gangolfsberg bei Oberelsbach

Dies wird deutlich, wenn man die riesigen Geröllhalden an der Nord- und der Westseite sieht. Auch unterhalb des Plateaus, in südwestlicher Lage befindet sich eine beachtliche Geröllhalde. Somit mussten die Steine nicht extra gebrochen werden und erleichterten damit den Aufbau dieser Befestigungsanlage. Der Zugang aus dem Norden gestaltet sich außerordentlich bequem und man kommt zunächst an die Stelle, an der man den Haupteingang - das erste Tor - vermuten kann, welches allerdings durch intensive Wegearbeiten nicht mehr ohne weiteres zu rekonstruieren ist. Es dürfte sich aber um ein sogenanntes Zangentor gehandelt haben. Folgt man dem Wall in südöstlicher Richtung, so stößt der ca. 0,5 m hohe und 2 m breite Wall an die Ruinen der Gangolfskapelle, die auf einer Anhöhe liegen. Danach erkennt man den Wall nur noch sehr schwach und er verschwindet nach ca. 90 m völlig. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass er nach seinem Einsturz den Hang hinabgerutscht sein könnte, zumal dies die Geländebeschaffenheit auch nicht vermuten lässt; so abschüssig ist es nämlich nicht. Nach ca. 50 m allerdings stößt man auf die "innere Anlage". Der Wall hat hier eine Höhe von ca. 2 m und bildet ein - in seinen Ausmaßen noch recht deutlich erkennbares Zangentor. Weiter in südöstlicher Richtung ist der Wall nur noch zu erahnen aber eindeutig vorhanden. Außerdem bildet schon das nach der östlichen Seite hin, nunmehr steil abfallende Plateau, ein natürliches Hindernis. Wenn man sich von der Südspitze - die einen natürlichen Grat bildet - nach Norden bewegt, findet man den Berg nach wie vor steil abfallend, doch nach ca. 50 m flacht dieser mehr und mehr ab und bildet fast eine Terrasse.

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach
Rest des Walls

Von einem Wall ist hier nichts mehr zu sehen. Noch nicht einmal erahnen kann man ihn. Nicht die geringsten Anzeichen deuten auf sein Vorhandensein hin. Doch nach ca. 150 m - wie aus dem Nichts - erhebt er sich in einer bisher nicht gekannten und einzigartigen Größe. Mit 1,5 m Höhe und 4 m Breite läuft er nach nordöstlicher Richtung in einer Länge von ca. 100 m wieder auf das Zangentor zu. Von außerhalb der Anlage betrachtet, ergibt sich sogar noch ein weitaus mächtigerer Eindruck. Um den Anschluss an die äußere Anlage wieder zu finden, muss man sich ca. 100 m in nördlicher Richtung begeben, ohne auch nur auf die geringsten Anzeichen eines Walls zu stoßen. Im übrigen ist der Berg auch wieder zu sehr abgeflacht - wie an der Westseite üblich - als dass man vermuten könnte, dass die Reste den Berg hinabgerutscht sein könnten. Doch nach ca. 90 m taucht er wiederum urplötzlich mit einer Breite von 4 m und einer Höhe von 1,5 m auf und läuft auch in dieser Größe wieder auf das Haupttor zu. Alle Konstruktionsmerkmale weisen darauf hin, dass es sich um eine Verteidigungsanlage gehandelt haben muss und nicht um eine kultische Anlage, wie man vom Kreuzberg annimmt. Auf mich macht sie allerdings den Eindruck, dass sie nie fertiggestellt wurde. Zum einen fehlen große Stücke der Wallanlage gänzlich und zum anderen ist das Innenareal voll und ganz mit Steinen übersät, so dass man eine Bewohnbarkeit nahezu ausschließen kann und sich nur an vereinzelten Stellen Gebäude befunden haben können.

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach
Ruine einer Einsiedelei mit Kapelle

Recht deutlich wird allerdings, dass die Befestigung aus einem Konzept heraus entstand und es sich in erster Linie um eine sogenannte Fliehburg gehandelt haben muss. D.h., dass die Anlage nicht ständig bewohnt war und den umliegenden Siedlungen hauptsächlich als Zufluchtsort diente - ganz im Gegensatz zu einem Oppidum, wie die Milseburg. Dass die Vorderrhön zur Zeit der Völkerwanderung - die nicht immer friedlich verlief - bereits dicht besiedelt war, kann man an den zahlreichen Wallburgen erkennen, die sich in der Rhön und dem Thüringer Wald befinden. Vor allen Dingen machen diese deutlich, dass man nicht unbedingt bereit war, sein Gebiet kampflos zu räumen, wie auch die Eroberung der Steinsburg auf den Gleichbergen bei Römhild durch die Germanen um ca. 200 v.u.Z beweist. Der Gangolfsberg war somit ein Bestandteil in einem tiefgestaffelten und gut vorbereiteten Verteidigungssystem, um der Bedrohung durch die Germanen Herr zu werden und zeigt, dass man damals durchaus in der Lage war, stammes- und gebietsübergreifend zu organisieren, denn es bedurfte einer großen Anzahl von Menschen und viel Material, um solche Bauwerke fertigzustellen.

Es muss dabei auch berücksichtigt werden, dass die Hauptarbeiten an einem Wall von der Jahreszeit abhängig waren und nicht gerade dann gearbeitet wurde, wenn die Felder bestellt wurden bzw. andere wichtige Dinge zu erledigen waren, um den Lebensunterhalt sicherzustellen. So konnte sich unter Umständen der Bau einer solchen Anlage über viele Jahre hinwegziehen. Die Ursprünge solcher Befestigungsanlagen reichen bis weit in die Vorzeit zurück, denn schon immer war man bestrebt, sein Hab und Gut vor menschlicher Gewalteinwirkung zu schützen. Dabei nutzte man immer - sofern dies möglich war - die Vorteile, die das Gelände einem bot.

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach
Schema eines einfachen Walls

Gewässer, Sümpfe, steile Berge und Felsgrate, dichte Wälder und Hecken, um nur einige Beispiele zu nennen, wurden als Geländevorteile ausgenutzt. Man versuchte immer einen erhöhten Standpunkt dem Gegner gegenüber zu haben. Zum einen schwächte ein steilerer Hügel seinen Ansturm immens ab und zum anderen verloren seine Waffen (Speere und Pfeile) rapide an der gefürchteten Durchschlagskraft; wohingegen die Würfe und Schüsse des Verteidigers bergab an Kraft gewannen und auch die Durchschlagsleistung steigerten.

Auch beim Bau einer Anlage sparte man sich durch eine geschickte Geländewahl unter Umständen sehr viel Arbeit, denn ein steil abfallender Berg musste bei Weitem nicht so gesichert werden wie ein flacher Anstieg. Dieses Merkmal lässt sich auch am Beispiel des Gangolfsberges nachvollziehen. Anfänglich, als man noch nicht in der Lage war komplexe Mauersysteme zu bauen, wurden nur Erdwälle errichtet und mit Holzpalisaden versehen. An der feindwärts gerichteten Seite waren oftmals angespitzte Stämme eingearbeitet, die einen Sturmangriff abwehren sollten.

Selbst das Vorfeld wurde deshalb schon entsprechend präpariert. Auch hier waren angespitzte Äste und andere Fallen zu finden. Man war auch stets bemüht, den Gegnern jede Art von Deckung oder Schutz zu nehmen. Deshalb waren Berge, auf denen sich Verteidigungsanlagen befanden, grundsätzlich abgeholzt. Selbst wenn der Gegner sich Belagerungsgerät zimmern wollte, musste er manchmal das Baumaterial über weite Strecken heranschaffen und das kostete viel Zeit. Vor allen Dingen banden diese Vorhaben Kräfte, die anderweitig nicht mehr eingesetzt werden konnten.

Diese Situation konnte der Verteidiger dazu nutzen, um Ausfälle zu wagen. Mit diesen "Nadelstichen" konnte ein Gegner stark geschwächt und demotiviert werden, so dass er unter Umständen einen Abzug erwog. Diese Art der Befestigung hielt sich recht lange. Noch bis in die Zeit der Ritterburgen. Man benutzte diese Art der Fortifikation für das Vorfeld der Verteidigung. Das heißt, dass der Gegner zunächst erst einmal dieses Hindernis überwinden musste, um überhaupt bis an die Burgmauern zu gelangen. Wenn dies allerdings immer so reibungslos geklappt hätte, wie oben beschrieben, wäre vermutlich nie etwas eingenommen worden. Denn es gab für alle Anlagen dieser Art ein sehr großes Problem und oftmals mussten die Angreifer noch nicht einmal etwas unternehmen, wenn ihnen dieser Umstand bekannt war. Wasser - dieses lebensnotwendige Nass war unabdingbar, um über einen längeren Zeitraum einer Belagerung zu widerstehen.

Auch auf dem Gangolfsberg gab es kein Wasser und insofern wäre eine Belagerung von kürzester Dauer gewesen. Selbst wenn man sich Vorräte angelegt hätte, wären diese in kürzester Zeit erschöpft. Denn nicht nur den Menschen galt es zu versorgen; auch die Tiere, denn sie waren zur damaligen Zeit ein sehr wertvoller Besitz und lebensnotwendig und befanden sich ja auch in der Anlage. Dass man oftmals dennoch bis Zuletzt ausharrte und sich lieber erschlagen ließ, ist darauf zurückzuführen, dass die damaligen Eroberer mit den Besiegten nicht gerade zimperlich umgingen. Wer nicht im Kampf zu Tode kam, wurde den Göttern geopfert. Gerade die Kelten haben sich diesbezüglich einen Namen gemacht. Dieses Verhalten empfanden schon die Römer als verabscheuungswürdig. Selten ließen deren Geschichtsschreiber ein gutes Haar an diesen Völkern.

Wie hatte der Wall ursprünglich ausgesehen?

Grundsätzlich passte man sich der Form des Berges an, d.h., dass der Wall in der Regel ein runde bzw. ovale Form hatte. Beim Gangolfsberg handelte es sich auch nicht um einen Abschnittswall, da nach den örtlichen Gegebenheiten alle Seiten mehr oder weniger befestigt werden mussten. Vor allem setzten die umfangreichen Erdarbeiten voraus, dass die Bevölkerung bereits die Kulturstufe des Ackerbaus erreicht hatten, denn nur diese waren in der Lage das dafür notwendige Werkzeug herzustellen und anzuwenden. Was man allerdings zur damaligen Zeit noch nicht kannte, war der Mörtel. Dieses Verbindungsmaterial hielt erst nach der Römerzeit - beim Bau der Klöster und Kirchen - bei uns Einzug. Man musste sich also anderweitig behelfen, um einer Mauer den nötigen Halt, die Höhe und Steilheit zu geben, die für eine erfolgreiche Verteidigung notwendig waren.

Man erreichte dies dadurch, dass man Holz und Strauchwerk nach jeder Lage Steine einfügte. Später ging man dann dazu über, Konstruktionen aus ganzen Stämmen und Querbalken, welche miteinander verbunden waren, anzulegen. Die durch die unbehauenen Steine entstandenen Zwischenräume füllte man mit Erdreich aus. Somit verlieh in erster Linie die Holzkonstruktion der Mauer die notwendige Festigkeit. An der Innenseite des Walls schüttete man mit Erdreich eine Böschung auf, die zusätzlich noch durch Querbalken mit der eigentlichen Mauer verbunden war. Zum einen verstärkte man dadurch den Wall und zum anderen erreichte man damit, dass man auf der Krone der Mauer eine breitere Plattform hatte, die den Verteidigern ausreichend Platz bot.

Keltische Wallanlage auf dem Gangolfsberg bei Oberelsbach
Schema der Murus Galicus

Selbst Cäsar schilderte diese Art der Befestigung als äußerst widerstandsfähig, die nur schwer einzunehmen sei. Natürlich musste man sich auch auf der Mauer selbst schützen, denn man konnte sich ja nicht offen präsentieren, doch kann man heutzutage nicht mehr mit Sicherheit sagen, wie diese Aufbauten einmal ausgesehen haben. Am Wahrscheinlichsten ist jedoch, dass man in bestimmten Abständen senkrechte Stämme in das Mauerwerk mit einarbeitete, deren herausragenden Enden dann durch Flechtwerk miteinander verbunden wurden. Wahrscheinlich ist auch, dass das Flechtwerk zusätzlich mit Lehm verputzt wurde und somit ausreichend Schutz vor Pfeil- und Wurfgeschossen bot.

Ein herausragendes Konstruktionsmerkmal sind die beiden Zangentore. Hier konnte ein Angreifer sogar flankierend beschossen werden und machen einem deutlich, dass sich zur damaligen Zeit die Angriffe vermutlich immer auf die Tore konzentrierten, da man sie als schwächsten Punkt in einer Verteidigungsanlage sah. Die Möglichkeit der flankierenden Verteidigung wurde nirgendwo sonst in Erwägung gezogen. Die so konstruierten Wälle hatten natürlich auch einen großen Nachteil. Da man sehr viel Holz verwendete, war es nur eine Frage der Zeit, bis es sich soweit zersetzte, dass die Mauer nachgab und eine abschnittsweise Wiederherstellung war nur sehr schwer möglich, denn dazu musste der Wall vollständig abgetragen werden. Vor allem dürfte unser zeitweise recht feuchtes Klima diesen Vorgang noch beschleunigt haben. Das ist auch der Grund, warum man heute nur noch Steinwälle sieht und keine Mauern. Das Holz verwitterte und die Mauer stürzte in sich zusammen und da das Erdreich im Laufe der Jahrhunderte durch den Regen ausgeschwemmt wurde, blieb außer den Steinen nicht mehr viel übrig. Nur schwach kann man an der Innenseite des Walls die Reste einer Böschung erkennen.

Heute sind stellenweise nur noch spärliche Überreste zu sehen. An manchen Stellen kann man noch nicht einmal einen Wall erahnen. Diese Abschnitte müssten erst näher untersucht werden, um zu beweisen, ob diese Anlage jemals fertiggestellt wurde und nicht schon vorzeitig zugunsten einer anderen Anlage aufgegeben wurde. Warum wurde gerade der Gangolfsberg befestigt und nicht der Heppberg? Die damaligen Siedlungen lagen alle viel südlicher als der Gangolfsberg.

Außerdem hat der Heppberg eine wesentlich günstigere strategische Lage und war auch in kürzerer Zeit für die umliegende Bevölkerung erreichbar und hätte viel mehr Platz geboten. Vielleicht lag der Grund im Landschaftsbild: der Gangolfsberg ist halt nun mal eine markante und eindrucksvolle Erscheinung.

Murus Galicus

Kein geringerer als Julius Cäsar hinterließ uns eine genaue - aber für unser Gebiet nicht unbedingt zutreffende - Beschreibung über die wesentlichen Konstruktionsmerkmale der sogenannten Gallischen Mauer. Es gab nämlich durch die Region bedingte Unterschiede in der Bauweise eines Walls. Je nachdem, ob man "steinreich" oder nur mit dem gewachsenen Boden vorlieb nehmen musste. So schilderte Cäsar bei der Belagerung von Avaricum, wie in etwa alle "Gallischen Mauern" ausgesehen haben: Auf dem Boden werden rechtwinklig zur Länge des Walles immer mit 2 Fuß Abstand Balken nebeneinander gelegt. Die inneren Enden der Balken werden wohl befestigt und mit vieler Erde bekleidet. In der Front aber werden die Abstände zwischen den Balken, welche wir erwähnten mit großen Steinen völlig ausgefüllt. Ist diese Schicht gelegt und verbunden, so kommt eine zweite Lage von Balken mit demselben Abstand darauf, aber so, dass nicht Balken auf Balken trifft, sondern dass sie in gleichen Räumen abwechseln und sie immer durch dazwischen gestellte Steine sorgfältig umschlossen sind. So wird das Werk fortgeführt, bis die verlangte Höhe der Mauer erreicht ist. Der regelmäßige Wechsel der nach geraden Linien geordneten Balken und Steinen gibt dem Werk ein nicht unschönes Ansehen, ist aber auch von Nutzen und von größten Vorteil für die Verteidigung der Städte, weil die Steine gegen das Feuer, die Balken aber gegen den Widder Schutz gewähren, denn diese sind durch oft 40 Fuß messende Längsbalken im Inneren verbunden und können weder durchbrochen noch auseinandergerissen werden.



Anzeigen


| nach oben | Diese Seite weiter empfehlen |
© by rhoenline & rhoenline-media