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Die Chronik der Sinntalbahn

Entsprechend dem Zeitgeist in der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstand im damaligen Bezirk Brückenau das Bedürfnis nach Teilnahme an den zunehmenden Verkehrsströmen durch das neue Verkehrsmittel "Eisenbahn". Der erste bekannte schriftliche Aktenvorgang hierzu vom 1. August 1864 ist eine Petition der Stadtverwaltung Brückenau an die damalige Regierung von Unterfranken. Aufschwung erlebte das Projekt mit der Gründung eines "Eisenbahn-Komitees" in Brückenau am 18. November 1884. Durch das "Gesetz betreffend Bahnen von lokaler Bedeutung" vom 28. April 1882 hatten sich jedoch zwischenzeitlich neue Hürden aufgetan. Demnach musste der Grund und Boden für eine Nebenbahn von den örtlichen Interessenten der Staatsbahn kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Für den Bezirk Brückenau bedeutete dies, den Ankauf des gesamten erforderlichen Grundes (einschließlich des preußischen Gebietes) über ein Darlehen zu finanzieren.

Planung der Strecke

Nachdem bereits in der Ausschusssitzung des bayerischen Landtages vom 9. Februar 1888 der Bau der Bahn Jossa - Brückenau einstimmig befürwortet wurde, erfolgte am 8. März die Erteilung der Genehmigung durch die Abgeordnetenkammer in München. Vor dem Baubeginn waren weitere planerische Maßnahmen durchzuführen, die von einer "Eisenbahnbau-Sektion" übernommen wurden. Sie nahm ihre Tätigkeit in Brückenau am 15. Oktober 1888 auf.

Einer der Gründe für das langwierige Planungsverfahren bis zur Ausführung der Lokalbahn war die Beteiligung zweier Staatsbahnen, die zunächst zu langwierigen Verhandlungen mit den preußischen Behörden über die Nutzung des Anschlussbahnhofes Jossa führten. Das Ergebnis war ein am 19. Dezember 1888 abgeschlossener Staatsvertrag zwischen Bayern und Preußen "über den Bau einer Bahn von Jossa nach Brückenau".

Am 14. April 1890 begann der Grunderwerb für die Bahn Jossa - Brückenau auf bayerischer und am 6. Mai in Altengronau auf preußischer Seite. Für die Finanzierung musste beim Bankhaus Strupp in Meiningen ein Darlehen in Höhe von 60.000 Mark aufgenommen werden, das über 46 Jahre hinweg bei 3,5 % Zinsen zu tilgen war.

Am 20. Juni 1890 erfolgte die Submission für die Bauarbeiten auf der Strecke, aufgeteilt in drei Lose. Einziger Bieter war die Firma Putz und Merck aus Passau.

Baubeginn

Über den ersten Spatenstich berichtete der "Brückenauer Anzeiger" am Dienstag, den 1. Juli 1890:
Brückenau, 30. Juni. Morgen soll der erste Spatenstich zur Lokalbahn Brückenau - Jossa getan werden. Die Unternehmer Herren Putz und Merck sind seit einigen Tagen hier eingetroffen. Ein Teil ihrer Arbeiter soll heute eintreffen, während der andere Teil aus der hiesigen Gegend genommen.

Ohne große Änderungen - der Betrieb der Bahn in den ersten Jahren

25.07.1891 Empfang der ersten Lokomotive in Brückenau Bad durch die Einwohner und Kurgäste

09.10.1891 Offizielle Eröffnung der Bahnstrecke Jossa - Brückenau mit dem Probezug, der in Jossa die Prüfungskomission aufnimmt

15.10.1891 Eröffnung des Streckenverkehrs auf den Bahnstationen Altengronau, Zeitlofs, Rupboden, Brückenau Bad, Brückenau Stadt und den Haltepunkten Trübenbrunn, Eckarts, Wernarz und Sinnthalhof

12.06.1898 Abreise der Kaiserin von Österreich (Sissy) mit dem Sonderzug von Brückenau Bad aus

01.05.1900 Alle vier Zugpaare verkehren nun mit Bahnpost

03.12.1901 Der "Brückenauer Anzeiger" kündigt aufgrund des hohen Güteraufkommens das Eintreffen stärkerer Lokomotiven an

22.06.1902 Anlässlich der Einweihung des "Prinz-Rupprecht-Heimes" trifft Prinz Rupprecht von Bayern am Bahnhof Brückenau Stadt zur Teilnahme an den Feierlichkeiten ein

In den ersten zwei Jahrzehnten des Betriebes änderte sich an den Abläufen und den Bahnanlagen entlang der Strecke nicht viel. Lediglich das Empfangsgebäude in Brückenau Bad wurde wegen des zunehmenden Kurbetriebes nach der Jahrhundertwende aufgestockt und vergrößert.


Fahrplan Winter 1891

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