
Die Musiker von „Accentus austria“ um Thomas Wimmer bringen paraliturgische Musik geistlicher barocker Bühnenspiele (1650-1700) zur Aufführung. Im Rahmen der Kissinger Osterklänge 2010 tritt die Ensemblemusik Spaniens des 17. Jahrhunderts in den Fokus, deren Quellen zwar rar, die musikalische Umsetzung aber nicht minder interessant und faszinierend ist. Beginn ist um 19:30 Uhr im Weißen Saal.

Wie so oft in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Stagnation baute man sich auch im 17. Jahrhundert in Spanien quer durch alle Schichten eine theatralische, künstlerische bzw. künstliche Scheinwelt auf. In dem Maß, in dem die spanischen Truppen die Schlachten verloren, gewannen die spanischen Künstler ihr Ansehen durch ihre Bücher, ihre Gemälde, ihre Musik und ihre Theaterstücke. Das Publikum besuchte die (Theater-) Aufführungen jedoch nicht, um das wirkliche Spanien zu sehen, sondern vielmehr um alles das zu bestaunen, was sein könnte – ein Zufluchtsort, der mithalf der alltäglichen Misere zu entkommen. Die Ensemblemusik des spanischen Barock stellt hierbei bis heute ein ungelöstes Rätsel da. Zwar hatte das Vokale stets Vorrang gegenüber dem Instrumentalen, dennoch sind die Zeugnisse der Pflege Instrumentaler Musik bei Hofe und in adeligen Kreisen zahlreich, nicht zuletzt durch das umfangreiche Kompositionswerk für Harfe, Gitarre oder Tasteninstrumente. Die eigentlichen Quellen von Ensemblemusik, auf die man bisher gestoßen ist, sind hingegen rar. Die beiden Stücke Tiento de falsas und Pasacalles sind Bearbeitungen aus dem Orgelrepertoire von Juan Cabanilles – einem der Glanzlichter der spanischen Orgeltradition – und mögen eine Idee davon sein, was eventuell die Praxis war.
Das Ensemble Accentus austria wurde 1988 in Wien (Österreich) von Thomas Wimmer gegründet. Die Ensemblemitglieder treten in unterschiedlichen Besetzungen auf und oftmals werden zu einzelnen Programmen Gastmusiker hinzugezogen. Einen besonderen Schwerpunkt setzt Accentus austria auf die Frühe Musik Spaniens, mit besonderer Berücksichtigung ihrer improvisatorischen Elemente. Durch Auftritte in ganz Europa, Israel und Marokko (Essaouira) sowie durch mehrere CD-Einspielungen reicht das inzwischen erarbeitete Repertoire nunmehr von Populärmusik um 1500 bis hin zu polyphonen geistlichen und weltlichen Werken des ausgehenden 16. Jahrhunderts.
Eintrittskarten sind erhältlich in der Kur- und Tourist-Information, im Alten Rathaus, in der Tourist-Information im Arkadenbau und unter Telefon 0971 8048-444 oder per E-Mail:
kissingen-ticket(at)badkissingen.de.
Vivir para amar – Ein Leben für die Liebe
Paraliturgische Musik geistlicher barocker Bühnenspiele, 1650-1700
Accentus austria
Thomas Wimmer, Leitung
Olga Pitarch Mampel, Sopran
Ulli Engel, Elisabeth Wiesbauer, Barockviolinen
Jane Achtmann, Viola da Gamba
Thomas Wimmer, Violone
Michael Posch, Blockflöte
Reinhild Waldeck, spanische Barockharfe
Pierre Pitzl, Barockgitarre
Norbert Zeilberger, Truhenorgel, Cembalo
Wolfgang Reithofer, Perkussion
Programm
Sebastián Durón (1660-1716) Ay, qué me abraso de amor en la Ilama;
Ay de mí, que el Ilanto y la tristeza
Juan Cabanilles (1636-1701) Tiento de falsas XII
Cristóbal Galán (1630-1684) Mariposa, no corras al fuego
Gaspar Sanz (1640-~1710) Folias
Santiago Murcia (1682-1740) La Jotta
Matías Veana (2. Hälfte 17. bis 1.Hälfte 18. Jhdt.) Ay, amor, qué dulce tirano
Juan Cabanilles (1636-1701) Pasacalles V
Cristóbal Galán (1630-1684) Vuele, Vuele la flecha de Amor gloriosa; Humano Ardor, que Ilegáis
Gaspar Sanz (1640-~1710) Canarios
Cristóbal Galán (1630-1684) Vivir para amar
Juan Cabanilles (1636-1701) Pasacalles I
Sebastián Durón (1660-1716) Corazón, causa teneis
Bartolomé Selma y Salaverde (17.Jhdt.) Canzona terza
Lucas Riuz de Ribayaz (~1650-?) Xacras
Juan de Navas (2. Hälfte 17.Jhdt.) Ay , divino amor
Cristóbal Galán (1630-1684) ¡O qué mal vamos, amor!
Anónimo (~1700) Paradetas
Cristóbal Galán (1630-1684 Vuele, vuele, feliz mariposa
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