
Am Sonntag lud das Theater zur gut besuchten Doppelmatinee, „Mein Freund Harvey“ & „Elvis liebt Dich“. Und wer bei den Veröffentlichungen noch gezweifelt hatte, ob es sich nicht vielleicht um einen Druckfehler gehandelt habe, wurde hier überraschend bestätigt: Die beiden Januar-Premieren der Komödie im Großen Haus, und der musikalischen Revue in den Kammerspielen, präsentiert das selbe Team, die selbe Regie, die selben Darsteller. – Wie kann das sein? – Ist das Theater verrückt geworden?
Mit Verrücktheit hat das Ganze natürlich zu tun, aber auch mit Weiß-Heit und einem gut disponierten Probenplan. Auf dem weiß gedeckten Podium, gerahmt von den weißen Marmorgesichtern der großen Dichter und Denker sitzen der für die Inszenierungen Verantwortliche Matthias Kniesbeck, die Kostümbildnerin Bente Matthiessen, Bühnenbildner Helge Ullmann und der Schauspieldirektor Dr. Dirk Olaf Hanke: Grübelnd, schmunzelnd, lachend und geben zum Besten, was man zu den bevorstehenden Produktionen zu sagen weiß oder verraten will.
Als lebendiges Intro bietet das Ensemble der Kammerspiel-Revue „Elvis liebt Dich“ unter der musikalischen Leitung von Rudolf Hild Presleys Hit, „I’m gonna walk“. – Und ist er überhaupt gestorben? Das Produktionsteam jedenfalls lässt wenig später daran zweifeln und beruft sich auf die Weisheit einer großen Boulevard-Zeitung vom vergangenen Donnerstag, die mit der Schlagzeile titelte, „10 Beweise, dass Elvis lebt“.
Mein Freund Harvey
Auf jeden Fall unsterblich, so erfährt man, ist die hierzulande v.a. durch die Verfilmungen bekannte Komödie von Mary Chase, „Mein Freund Harvey“, einer der erfolgreichsten Broadway-Renner aller Zeiten! Ein Stück, das die berühmte amerikanische Unterhaltungsmeile 1775 Vorstellungen lang über drei Jahre beherrschte. Dabei – so war zu erfahren – ist das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk keine Screwball-Komödie, deren Witz sich vom Tempo der Dialoge herleitet, sondern eine Erfolgsstory viel subtilerer Töne: „Gerade das echte Zuhören können, das sich Zeitnehmen, das Aufmerksamkeit schenken und einfach Freundlich sein“, so Regisseur Matthias Kniesbeck, „ist die Besonderheit die den Charakter des ’verrückten’ Elwood P. Dowd auszeichnet.“ Dieser, so hört man, lebe mit der Vorstellung – oder Realität – eines 1,80 m großen geisterhaften Hasen-Freundes Namens Harvey, eines ständigen treuen Begleiters in Tiergestalt. Und – wie man auf der Matinee vermittelt bekommt – durchaus keine Erfindung der originellen Dramatikerin ist, sondern eine als „Puka“ bekannte Erscheinung der irischen Mythologie. Für Elwoods auf das Äußerste gereizte Umgebung jedoch, der klare Grund diesen nun endlich der geschlossenen Psychiatrie zu übergeben. Dort aber erobert Elwoods sonniges Gemüt die Fachschaft in Weiß sofort im Sturm und seine Familie gerät in Behandlung.
Elvis liebt Dich
Anders als erwartet, gestaltet sich auch die Kammerspiel-Revue „Elvis liebt Dich“. Denn hier ist nicht die tausendste Elvis-Imitation anzukündigen, sondern das unvergleichliche Jahrestreffen des fiktiven Elvis-Fan-Clubs-Schmalkalden-Meiningen. „Alles was an diesem Theaterabend passieren wird ist herrlicher, großer Kitsch“ verrät Kniesbeck, nicht allein Regisseur, sondern auch Autor dieses Stückes, das mit immenser Nachfrage bereits in Krefeld, Mönchengladbach und Bielefeld über die Bühne ging: Von den Songs beseelte Menschen offenbaren verrückt-fröhlich wie die weiße Pop-Ikone mit der schwarzen Stimme Einzug in ihr Leben hielt. Und während nach oben genannter Zeitungsquelle 7% der US-Bürger den King of Pop ohnedies für noch am Leben hält, ihn ein amerikanischer Psychotherapeut sogar zu seinen Patienten zählt, darf sich das Publikum des Südthüringischen Staatstheaters freuen Elvis am Ende der Show dann tatsächlich gegenüberzustehen.
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