
Wer mehr über über die Rhöner und deren tiefstes Inneres erfahren möchte, sollte nicht die Doppelausstellung von historischen und neuzeitlichen Holzmasken im Kloster Wechterswinkel und Bruder Franz Haus versäumen. Ab Samstag, 28. Januar ist eine faszinierende Maskenausstellung zu Rhöner Fastnachtsmasken aus dem Rhön Museum Fladungen im Kloster Wechterswinkel bei Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld, zu bestaunen. Diese Masken gehören zu den ältesten Larven der Rhöner Fastnacht.


Während der Fastnachtszeit präsentieren das Kloster Wechterswinkel bei Bastheim und das Bruder Franz Haus am Kreuzberg traditionelle “Foasenoachts“-Masken aus Holz in einer Doppelausstellung. Im Kloster Wechterswinkel sind die historischen Masken aus dem Rhön Museum Fladungen zu sehen. Das Rhön Museum verfügt über die ältesten Larven und damit über die wohl frühesten Zeugnisse des Fastnachtsbrauches sich mit einer Holzmaske zu verkleiden. Da das überregional bedeutende Rhön Museum, eines von insgesamt fünf Landschaftsmuseen in Bayern, zurzeit wegen umfangreicher Sanierungsmaßnahmen noch bis einschließlich 2013 geschossen sein wird, kann der Landkreis in Zusammenarbeit mit den Rhön Museums Verein bedeutsame Teile der Sammlung einer breiteren Öffentlichkeit auch während der Schließung präsentieren.
Die ersten Holzmasken treten in der Rhön um etwa 1830/40 auf. Eine dieser bärtigen Masken, weißgrundig und mit zartem rosa Inkarnat, war bei der großen internationalen Maskenausstellung in Paris, Musée d’Orsay und auf der Mathildenhöhe Darmstadt vor einigen Jahren zu sehen. Der bekanntes Maskentypus ist sicher der Blaue Jüd aus Weisbach. Zur feinen bärtigen Maske werden weiße Hosen und das typische blaue Hemd getragen. Buchs und bunte Bänder schmücken den Kopf. Stolz und schön wirkt ihre Erscheinung. Aber es gibt auch wilde und Furcht einflössende Maskentypen. Darunter das Schlappmaul, der Hanswurst, die Strohmänner und der Zähneblecker. Selten geworden ist die aufwendige Verkleidung der Spanmänner. Heepl-Goas und Geißmann treiben als Geißreiter ihr Unwesen in einigen Rhöndörfern. Dazu gesellen sich Hexe und rosawangige Frauenmasken.
Zu den Hochburgen der Rhöner Fastnacht gehören Oberelsbach und Weisbach. Holzmasken sind bzw. waren in der Rhön unter anderen an folgenden Orten verbreitet: Ginolfs, Sondernau, Unterelsbach, Bischofsheim und Unterweißenbrunn. Östlicher davon gibt es Holzlarven in Bastheim und in Wargolshausen.
Das Bruder Franz Haus widmet sich in seiner Ausstellung "Halex und Helau" überwiegend den heutigen Holzschnitzern und ihren Rhöner Masken. Zu sehen sind Masken von Thomas Eyring, Weisbach, Herbert Holzheimer, Langenleiten, Robert Holzheimer, Schmalwasser, Franz Weigand, Oberelsbach, Edgar Vorndran, Leutershausen, und dem Atelier Warrings, Bischofsheim. Die Präsentation in den Räumen des Bruder Franz Hauses wird ergänzt durch seltene historische Maskentypen wie dem Wille Jeud aus Wargolshausen mit geflochtenem Strohhut und den Masken der Alhex aus Unterweisenbrunn. Die Ausstellung läuft bereits, ist bis einschließlich 21.2. zu besichtigen.
Die Rhöner Masken gehören zu den nördlichsten geschnitzten Holzmasken aus dem schwäbisch-alemannischen Raum. Beide Häuser, Kloster Wechterswinkel und Bruder Franz Haus ermöglichen einen Blick auf über zwei Jahrhunderte Maskenbrauch in der Rhön, auf Tradition und Weiterentwicklung vom den Anfängen im 19. bis ins 21. Jahrhundert. Diese Ausstellungen werden begleitet durch die lebendigen Bräuche während Fastnachtszeit - das Treiben der Foasenöchter und die Straßenfastnacht in einigen Dörfern der Rhön.
Programm zur Maskenausstellung Im Kloster Wechterswinkel bei Bastheim
Im Bruder Franz Haus, Kreuzberg
Literatur
Elke Böhm: Masken. Volkskunst und Brauchtum der Rhön. Paderborn, 2002
Walter Stolle: Geheimnisvolle Masken aus der Rhön. Ausstellungskatalog Darmstadt 2005
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