
Meister des Metiers - im Gespräch mit dem Bühnen- und Kostümbildner Dirk Hofacker +++++ Dieser Mann ist viel gereist. Zu den Stätten seines Wirkens zählt die New Yorker MET und die Oper von Los Angeles, die New Israeli Opera von Tel Aviv genauso wie die Arena di Verona in Italien, das Téatro Real in Madrid, oder die Bayrische Staatsoper in München, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Opera de Nice in Frankreich wie mit dem Opernhaus Bergen in Norwegen, er produzierte für das königliche Opernhaus Stockholm, das Mariinsky Theater in St. Petersbrug, die Oper von Tartastan in Russland oder das Teatro Colón in Buenos Aires. Demnächst geht es nach Indien. Auf das Südthüringische Staatstheater wurde er beim spanischen Opernfestival von La Palma aufmerksam. Kein Wunder also, dass er von sich selbst sagt: „Ich arbeite zu 90 Prozent im Ausland.“ Jetzt aber ist der freundliche Wiesbadener vor Ort in Meiningen und gibt mit „Land des Lächelns“ seine erste Operette.
Welchen Eindruck macht Meiningen auf Sie?
Hier fühlt man sich schon sehr empfangen. Die Stadt, die Architektur, die Idylle. Auch die regionale Küche gefällt mir. Man isst gut, man schläft prima und man arbeitet viel. Als Bühnenbildner ist mir natürlich sofort das Theatermuseum aufgefallen. So etwas gibt es ja sonst kaum in Deutschland. Und das ist kompetent geführt, das sieht man. Ins Auge fallend ist das Theater an der Prachtstraße, zauberhaft und zugleich echter Lebensmittelpunkt. Es ist immer im Gespräch. Man wird sogar spontan auf der Straße kontaktiert. Also ich finde das herrlich.
MET, Madrid, Meiningen?
Für mich spielt das nicht die entscheidende Rolle. Der einzige, wesentliche Unterschied ist das Budget. Aber nicht immer bedeutet mehr Geld auch wirklich bessere Resultate. Und die Motivation der Theaterwerkstätten hier ist enorm. Das begeistert.
Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Oper?
Das Musiktheater, ja. Oper, Ballett und Musical. Letzteres vor allem in Dänemark, wo der Uraufführungs-Gedanke groß geschrieben wird und rege Team-Arbeit herrscht. Ich habe zwar auch für das Schauspiel gestaltet und war ehrlich beeindruckt davon wie konstruktiv-gestalterisch gute Darsteller auch mit der optischen Formung von Rolle und Raum umgehen, wie schnell und flexibel die reagieren, aber das Musiktheater mit seinem ausgeprägten Bewegungsspiel von Form, Klang und Farbe liegt mir näher. Sängern muss man allerdings mehr und eindeutigere Vorgaben machen.
Sie haben mit dem „Lohengrin“ in der Regie von Maximilian Schell beeindruckt. Jetzt folgt auf Wagner Lehár?
Warum nicht? Da gehört doch viel Mut dazu. Für Wagner nämlich gibt es einen großen literarischen Überbau, beim Lehár dagegen kann man sehr leicht ins Schlingern geraten, da gilt es aufzupassen, das nichts entgleist. Aber wenn es gelingt, dann sind zwei Stunden einfach wie im Fluge vergangen. Und ist es nicht vielleicht sogar die größere Herausforderung einmal das ganze Bombardement der omnipräsenten Schreckensnachrichten vergessen zu machen, als bloß inszenatorisch daraus zu zitieren?
Und was dürfen Sie uns über die Regie verraten?
Das es fabelhaft ist mit jemandem wie Klaus Rak zusammenzuarbeiten. Er hat in der Sache einen unglaublichen Hintergrund und dazu die ruhige Hand. Ähnlich wie bei der Zusammenarbeit mit Maximilian Schell in Los Angeles, lebt das Produktionsklima von einem gelassenen Atem und souveränem Überblick mit Raum für die Sänger. Er ist völlig fern von jeglichem Profilierungsdruck, das hat man selten.
Was werden wir mit dem China des „Land des Lächelns erleben? Einen Traum, ein exotisches Märchen?
Nein, das ist kein Traum. Das ist doch recht real, geradezu aktuell, bedenkt man die multikulturellen Ehen und die heutige Neugier auf Asien. Und viele Auswanderer kommen ja auch – wie im Stück – zurück, weil die Realität eben doch anders aussieht, als die heimliche Wunschprojektion. Aber historisch stimmt in dieser Operette eigentlich gar nichts, es ist eine europäische Fantasie, die Fixe Idee eines jungen Mädchens. Und das ist kein tragisches Scheitern, im Gegenteil. Da gibt es eine tolle Wandlung. Lisa geht gestärkt aus dieser Erfahrung hervor, erlebt einen Reifungs- und Erziehungsprozess, keinen Untergang.
Hundertzwanzig Kostüme, dazu Haute-Couture!
Wieso? Das ist doch nicht viel. Schon der Chor braucht 2 x 36 Stück, dazu die Mehrfachausstattung der Solisten. Und so ein verwöhntes Generalstöchterchen wie die Lisa muss glänzen. Schnitt und Qualität stellen hier höchste Anforderungen an die Schneiderei. Da kann man nur ein großes Kompliment aussprechen: Das sind keine Schneiderinnen, das sind wirklich Meister ihres Metiers!
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