
Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert wird über die Geschichte des Judentums in Rhön und Grabfeld sprechen. Mit einer Power-Point-Präsentation wird der Referent die Geschichte des Judentums von den Anfängen bis in die Neuzeit beleuchten und dabei insbesondere auch die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis vorstellen.
Zur Sprache kommen wird in dem Referat insbesondere die Tatsache, dass sich die Juden nach ihrer Vertreibung aus dem Fürstbistum Würzburg insbesondere in den reichsritterschaftlichen Territorien, deren es in unserem Raum viele gab, ansiedelten. Die Adeligen holten die Juden jedoch nicht aus Toleranz zu sich, sondern aus kühler Gewinnabsicht. Schutzjuden wurden von ihrem Dorfherren zu eifrigen Handels- und Wuchergeschäften angehalten, damit sie an die Herren hohe Abgaben zahlen konnten.
Zur Sprache kommen werden in dem von der Kulturagentur des Landkreises veranstalteten Vortrag natürlich auch die schlimmen Ereignisse im Dritten Reich in unserer Heimat, insbesondere in der Reichspogromnacht. Der Kreisheimatpfleger wird über zahlreiche Begebenheiten aus der Nazi-Zeit berichten. So ermittelte die Gendarmeriehauptstation Mellrichstadt gegen zwei jüdische Mitbürger wegen „Groben Unfugs“, weil sie es wagten am 29. Juni 1935 abends auf der „öffentlichen und verkehrsreichen Reichsstraße Oberstreu – Mittelstreu miteinander spazieren zu gehen, worüber sich ein großer Teil der Bewohner empörte.“
Im letzten Eintrag des Protokollbuchs der jüdischen Kultusgemeinde Königshofen, das von 1865 bis 1938 geführt wurde und sich heute im Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volkes in Jerusalem befindet, schrieb Lehrer Justin Bernheimer einen Tag vor seiner Emigration nach New York im September 1938: „Woran wir nie im entferntesten dachten, was unsere Fantasie nie zu wähnen gelang, das ist in den letzten vier Jahren zur Tatsache geworden. Diese Worte können es nicht wiedergeben. Nur der Zeitgenosse, den es betraf, mag einst ermessen, was diese kurze geschichtliche Periode an unsäglichem Leid, höchster seelischer Not und Vereinsamung uns brachte.“
Sechs Millionen Juden fielen dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer, darunter befanden sich 361 jüdische Mitbürger, die in Orten des heutigen Landkreises Rhön-Grabfeld geboren wurden und 186, die hier wohnten.
„Betet für uns und gedenkt unser, erzählet es Euren Kindern wieder, wie wir zu Tode gepeinigt wurden.“ Dieses mahnende Zitat von Gretel Klein ist auf der vor einiger Zeit geschaffenen Gedenkstätte in Bad Neustadt zu lesen.
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