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Dauerausstellung "Jüdisches Leben in Bad Kissingen"

Anfänge, Integration, Ausgrenzung und systematische Vernichtung

In Bad Kissingen, in der Promenadenstraße - unmittelbar neben dem großen Salinenparkplatz - befindet sich das jüdische Gemeindehaus. Im ersten Stock dieses Gebäudes gibt es seit einiger Zeit eine Dauerausstellung, die sich mit dem jüdischen Leben in Bad Kissingen auseinandersetzt.

In fünf Räumen befinden sich zahlreiche Dokumente, Fotografien und andere Ausstellungsgegenstände. So kann man z.B. alte Schriftrollen (Torarolle, Estherrolle), Bücher und rituelle Gegenstände betrachten, die dem Besucher einen kleinen Einblick in das kulturelle Leben der Juden in Bad Kissingen geben. Den Sinn und Zweck, der in zahlreichen Vitrinen ausgestellten und beschriebenen Exponate sollte man sich durch sachkundige Führung erklären lassen, denn in der Regel sind einem die Fachbegriffe unbekannt.

Eine umfangreiche Bilddokumentation setzt sich mit dem Ereignissen von den Anfängen bis zur Gegenwart der jüdischen Gemeinde auseinander.

Nachweisbar gab es bereits im 13. Jahrhundert Juden in Bad Kissingen, denn 1298 fand das erste Pogrom statt, das von Röttingen a. d. Tauber seinen Ausgang nahm. Nur das Leben als sogenannter "Schutzjude" bot einen gewissen Schutz vor Verfolgung. Dabei stellte man sich unter dem Schutz von adeligen Grundherren oder direkt dem Fürstbischof von Würzburg. Dass diese dies nicht aus reiner Nächstenliebe taten, beweisen die hohen Abgaben, die die Juden dafür entrichten mussten. In erster Linie dürften die zusätzlichen Einnahmen im Vordergrund gestanden haben. Zeitweise hatten die Schutzjuden im 17. Jahrhundert einen Bevölkerungsanteil von fast 50 %.

Von einer Integration der jüdischen Bevölkerung kann man erst ab dem 19. Jahrhundert reden. Voraussetzung war das 1813 in Bayern erlassene Judenedikt, das ihnen die bayrische Staatsbürgerschaft gab. Immer schon fühlten sich die Juden mit ihrer Heimatstadt eng verbunden. Sie waren Mitglieder in den ortsansässigen Vereinen und wirkten auch im öffentlichen Leben. Sie bauten und konsumierten, schafften Arbeitsplätze und integrierten sich immer mehr, denn ein Großteil der Kissinger Juden rechnete sich zum liberalen Judentum. Nur eine kleine Minderheit tendierte zum orthodoxen Judentum. Aber allesamt hatten sie Nationalstolz und zogen mit ihren christlichen Kameraden in den Ersten Weltkrieg. Noch heute kann man an den ehemaligen Frontabschnitten auf den Friedhöfen die Gräber der gefallenen Juden sehen, deren Grabstelen ein Judenstern ziert.

Wie stolz sie darauf waren, zeigt vor allem der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der in Kissingen viele Mitglieder hatte.

In der Dauerausstellung befinden sich eine Vielzahl an Dokumenten und Bildern, die dies belegen. Auch das Aufkommen des Antisemitismus in der Weimarer Republik, der bereits im Kaiserreich seine Anfänge nahm, wird dokumentiert. Neben Augenzeugenberichten und anderen Unterlagen wird die damalige Situation eindrucksvoll wieder gegeben.

Ein besonderes Kapitel bildet die Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik des NS-Regimes. In der Pogromnacht wurde nicht nur die erst 1902 erbaute Synagoge verwüstet und angezündet, sondern es fanden auch zahlreiche Ausschreitungen gegen die jüdischen Mitbürger statt. Selbst deren Wohnhäuser und Geschäfte wurden teilweise völlig zerstört. Bilddokumente, Zeitungsausschnitte belegen die Aktionen der ortsansässigen SA-Schergen, die selbst vor jüdischen Kurgästen nicht halt machten. Daraufhin wanderten 123 Kissinger Juden aus und 143 zogen in andere deutsche Städte um.

Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Deportation der noch verbliebenen Juden in die Konzentrationslager Theresienstadt und Izbica, wo fast alle ums Leben kamen.

Nach dem Krieg zogen wieder 25 jüdischen Männer und Frauen nach Bad Kissingen, jedoch kehrte kein einziges Gemeindemitglied zurück.

Weiterhin gibt es noch eine Mikwe - ein rituelles Reinigungsbad - und einen Raum zu besichtigen, der für das traditionelle Laubhüttenfest vorbereitet wurde. Bei diesem Fest, bei dem der Himmel immer zu sehen sein soll, wurde in diesem Raum eigens eine Vorrichtung angebracht, um das Dach abzunehmen.

In der Bergmannstraße kann man auch heute noch den jüdischen Friedhof, der sich in gutem Zustand befindet, besichtigen.

Öffnungszeiten:

Mittwoch 15 - 17 Uhr

Kontakt:

Jüdisches Gemeindehaus
Promenadestraße 2
97688 Bad Kissingen

Sonderführungen können Sie direkt buchen unter:
Tel. 0971 - 64752


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