
1933
Nach Plänen, die bereits in den 20er Jahren ausgearbeitet wurden, beginnt in Deutschland der Bau der Reichsautobahnen, als Straßen, die allein dem Automobil vorbehalten sein sollen.
1936
Im gesamten Deutschen Reich wird fieberhaft an den sogenannten "Straßen des Führers", den "Reichsautobahnen" gearbeitet. Im Rahmen der Erstellung eines Grundnetzplanes, der vorerst 7.000 km Autobahnen umfassen soll, wird auch zwischen der an der hessischen Grenze liegenden Gemeinde Eckarts und Karsbach der erste Teilabschnitt der Reichsautobahn "Strecke 46" im Zuständigkeitsbereich der "Obersten Bauleitung Reichsautobahnen" (OBR) Frankfurt, vermessen und abgesteckt. (Ein weiterer Teil der "Strecke 46" befand sich in Hessen, also im Bereich der OBR Kassel, im Bau. Es war die Teilstrecke Hersfeld-Fulda.)

"5 Mark im Monat mußt Du sparen,
willst Du im eignen Wagen fahren!"
(Werbung für den "Volkswagen")
1937
Auf Befehl des "Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen" Dr.-Ing. Fritz Todt wird die Arbeit an mehreren Bauabschnitten der "Strecke 46, Eckarts-Würzburg" aufgenommen.
1938
Die Arbeiten gehen zunächst zügig voran, doch werden zunehmend Arbeitskräfte für den Bau des "Westwalls", einer weitläufigen Befestigungsanlage an der französischen Grenze abgezogen.
Aufgrund einer Planungsänderung, nämlich der Einführung des neuen Autobahnquerschnittes "RQ 28,5" tritt zunächst ein Baustopp ein. Alle bisherigen Planungen basierten auf dem "RQ 24", d.h. die Autobahn hätte nur einen schmalen Standstreifen erhalten. Die noch nicht ausgeführten Streckenteile werden auf den neuen neuen Querschnitt (mit zusätzl. 2,25 m Standspur) umgeplant. Bereits im Bau befindliche erhalten teilweise Sonderquerschnitte, wobei durch steilere Böschungen und schmalere Mittelstreifen die neue Vorgabe, zumindest teilweise, erfüllt werden soll. Schlechtes Wetter (lange Regenperiode) bringt die Arbeiten streckenweise zum Erliegen.

Die "Drachenzähne", Panzerhindernisse aus Beton, waren Teil des "Westwalls".
1939
Auf den Baustellen wird mit den wenigen noch vorhandenen Arbeitern mit Hochdruck weitergearbeitet. Mehrere Abschnitte erreichen einen Fertigstellungsgrad bis zu 90%. Die Kriegsvorbereitungen werfen jedoch Ihre Schatten voraus. Im Oktober befiehlt der "Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen" die Arbeiten an allen Strecken der Nord-Südachsen einzustellen. Betroffen hiervon ist auch die "Strecke 46", Eckarts-Würzburg. Arbeitskräfte und Gerät werden zu den Streckenbaustellen die, in West-Ost-Richtung verlaufen, verlegt, da diese vordringlich fertiggestellt werden sollen.

1945
Bis Kriegsende wurden ca. 3.850 km der geplanten 7.000 km Reichsautobahnen fertiggestellt.
Obwohl heute noch oft behauptet, erfüllten die Reichsautobahnen für die Wehrmacht nie einen militärischen Zweck. Vorteile hatten bestenfalls die Allierten, die die Autobahnen für Ihren Vormarsch nutzen konnten.
1946
Autobahnen sind wichtige Verkehrswege im besetzten Deutschland. Daher wird auf vielen Autobahn-Baustellen die Arbeit wieder aufgenommen. Erste Überlegungen zum Weiterbau, auch der "Strecke 46", werden angestellt. Probleme bereitet jedoch die Trassenplanung aus dem Jahre 1936, in mehrfacher Hinsicht. 1946 galten für den Autobahnbau die Vorgaben aus dem Jahre 1942, denen die Erfahrungen der letzten Jahre zugrunde lagen. Die Planung aus dem Jahre 1936 wies demzufolge mehrere schwere Mängel auf.
1954
Nach vielen vergeblichen Überlegungen, die vorhandenen Bauwerke der "Strecke 46" für eine geänderte Trassenführung zumindest teilweise nutzen zu können, nimmt man endgültig Abstand von den Planungen der "Strecke 46". Stattdessen findet eine komplette Neuplanung an anderer Stelle, der 1968 eingeweihten Bundesautobahn A7, statt.
1984
Letzte Überlegungen zur Nutzung der Trasse zum Bau einer Verbindungslinie zwischen Rhön und Spessart.

1996
Die mittlerweile zugewachsene Baustelle erregt die Aufmerksamkeit einiger Hobbyhistoriker. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der 32 km langen Strecke um die längste deutsche "Autobahnruine" handelt. Umfangreiche Forschungen liefern verblüffende Ergebnisse. Hierbei werden Geschichte, Umfang und Hintergründe des Autobahnbaues zwischen Rhön und Spessart aufgehellt.
1999
Zum 60. Jahrestag der Baueinstellung wird die Geschichte von Planung und Bau der Reichsautobahn Eckarts-Würzburg als
Buch herausgegeben. 3 Jahre intensive Beschäftigung mit Zeitzeugen; Unterlagen, die aus allen Teilen der Republik zusammengetragen wurden, sowie den noch sichtbaren Resten der Bautätigkeit finden ihren vorläufigen Niederschlag. Experten bescheinigen den noch vorhandenen Bauwerken "hohen straßenbauhistorischen Wert".

2000
Das Landratsamt Main-Spessart beantragt die Unterschutzstellung der Autobahntraße beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
2002
Da die erste Auflage des Buches "Strecke 46" bereits nach wenigen Monaten vergriffen war, entschied sich Dieter Stockmann, eine zweite Auflage herauszubringen. Im Herbst 2002 schließlich wurde anlässlich der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte e.V, die neue, stark erweiterte Auflage des Buches der Öffentlichkeit vorgestellt.
2003
Mit Schreiben v. 22. Oktober 2003 teilt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit, dass alle vorhandenen Ingenieursbauwerke sowie der komplette Trassenteil von Bau km 9,3 - 15,2 in die Liste der Baudenkmäler eingetragen und damit unter Schutz gestellt wurden.
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Heinz Leitsch, 1998 - 2002