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Die Brauerei der Gebrüder Stolle in Aschach, ehemals fürstbischöfliche Brauerei - Teil IV

Von Alfred Saam

Der Privatier Karl Heinrich Stolle verzog anschließend mit seiner Familie nach Gochsheim in das Erthalschlösschen im Barockstil, in dem er seine Jugend verbracht hatte. Sein Kapital, das er bei dem Ausstieg aus dem Brauereibetrieb erhalten hatte, legte er mit Aktien und Pfandbriefen an. Viel Vergnügen sollte er nicht davon haben. Bereits am 9. Dezember 1919 verstarb er 49-jährig, lungenkrank in Gochsheim, wo auch seine letzte Ruhestätte heute noch besteht. Auch seine Familie sollte mit dem angelegtem Vermögen kein Glück haben, da alles in der Inflationszeit (1919 -1923) verloren ging.

Ludwig Stolle, nun alleiniger Eigentümer der Brauerei, stellte nach dem Ausscheiden seines Bruders einen Braumeister namens Regula ein und führte die Brauerei bis 1920 weiter. Die Inflation, in deren Zeit es weder Rohstoffe wie Hopfen und Malz für das Bier, noch Kohlen für die Dampfbrauerei zu kaufen gab, war sicher ein Hauptgrund, warum Ludwig Stolle schließlich gezwungen war, im Jahre 1920 den Betrieb stillzulegen und bei der Gemeindebehörde in Aschach abzumelden. Aber auch nach dieser schlimmen Zeit nahm Ludwig Stolle die Brauerei nicht wieder in Betrieb. Die große Brauerei hatte nach nur zwanzigjährigem Bestehen ihren Betrieb eingestellt.

Im Jahre 1922 ließ Ludwig Stolle das Brauereigebäude mit der Giebelseite zur Straße bis auf ca. zwei Meter über den Boden abbrechen, um die Backsteine für sein neues Wohnhaus zu verwenden. Das neue schöne Anwesen baute er neben der Gartenwirtschaft, auf dem Platz, auf dem zuvor eine Scheune des ehemaligen Gastwirts Georg Treutlein stand.

Für seinen Broterwerb pachtete Ludwig Stolle nun eine Zeit lang die Schlossmühle, eine Mahlmühle mit einem Sägewerk an der Saale gelegen. Eine Seidenraupenzucht auf dem Gelände der Brauerei sowie eine Champignonzucht im ehemaligen fürstbischöflichen und nun zum Brauereianwesen gehörenden großen Keller waren Misserfolge.

Am 4. Mai 1941 verstarb Ludwig Stolle in seinem von ihm erbauten Wohnhaus. Seine Witwe Kunigunde Katharina, geb. Schübel übernahm nun mit ihrem Sohn August Karl Philipp, Ingenieur in Neustadt, am 1. August 1941 das gesamte ehemalige Brauereianwesen mit allen landwirtschaftlichen Gebäuden in Erbengemeinschaft.

Da aber die nutzlos gewordene Brauerei anscheinend als große Belastung erschien, wurde das Brauereigebäude mit Hof am 7. Oktober 1943 von der Erbengemeinschaft Stolle an die Brauerei Martin Werner in Poppenhausen für 40.900 RM veräußert. Die Einrichtungen der Brauerei wurden von der Brauerei Werner an die Brauerei Wahler in Bad Kissingen weiterverkauft.

Gleich nach dem Krieg, im Jahre 1946, gründete Rudolf Pfeifer aus Köln, mit seinem Kompagnon Hans Ludwig Keller die Firma "Aschacher Holzwaren, Pfeifer & Co. (AHO)". Der Betrieb, der in der Hauptsache Kochlöffel und Wäscheklammern aber auch Kleiderbügel, Musikschränke, Nähkästchen und Nudelrollen herstellte, war in der ehemaligen Sommerhalle untergebracht. Dazu war die offene Sommerhalle zugemauert worden, so dass die Wände wie Fachwerk erschienen. Wegen Absatzschwierigkeiten nach der Währungsreform wurde die Firma im Jahre 1951 wieder aufgegeben.

Auch eine Freifrau von Johnston, die in den Ostgebieten des deutschen Reiches im Krieg ihr Gut verlor, hatte ihre letzte Habe in den landwirtschaftlichen Gebäuden der ehemaligen Brauerei untergebracht. Mit einem Traktor war sie über Dresden nach Unterfranken gelangt, um hier einen Fuhrbetrieb zu eröffnen.

Nach dem Tod von Kunigunde Stolle im Jahre 1951 veräußerte nun der Alleinerbe August Stolle auch das übrige Anwesen. Das Wohnhaus mit der großen Scheune und den Stallungen verkaufte er im Jahre 1951 an die Gemeinde Aschach. Die Gastwirtschaft mit Gartenwirtschaft und Kegelbahn wurde am 25. August 1960 von der aus dem Sudetenland stammenden Martha Berger erworben. Nachdem August Stolle auch seine Äcker, Wiesen und Wälder zum größten Teil veräußert hatte, brach er alle seine Beziehungen zu Aschach ab und verzog mit seiner Familie nach Bernkastel an der Mosel, wo seine Frau Besitzerin einer Drogerie wurde und er im Jahre 1968 verstarb.

Das Wohngebäude, das die Gemeinde Aschach erworben hatte, wurde noch im gleichen Jahr umgebaut und an die damalige Landpolizei mit drei Wohnungen und einem Dienstzimmer vermietet, wo sie bis zur Auflösung der Landpolizeistationen im Jahre 1962 verblieb. Danach wurden die Wohnungen an Familien vermietet.

Das Gebäude der Gastwirtschaft, das Frau Martha Berger erworben hatte, wurde in ihrem Auftrag im Jahre 1964 abgebrochen, neu aufgebaut und dann als Gaststätte mit Café und Fremdenzimmer weiterbetrieben. Außerdem hatte sie einen Gemischtwarenladen in diesem Haus eröffnet. Nach dem Tode von Frau Berger im Februar 1993 wurde das Anwesen von der Erbengemeinschaft, den Kindern von Frau Berger, verschiedenartig genutzt und schließlich an Frau Ursula Bauer aus Aschach verkauft. Anfang des Jahres 2001 wurde nun in den Wirtschaftsräumen ein griechisches Restaurant eröffnet. Außer einer Wohnung, die noch von dem griechischen Pächter genutzt wird, steht das große Haus leer.

Das Mälzereigebäude der ehemals großen Brauerei wurde während des zweiten Weltkrieges zuerst von einer Mühle aus Schweinfurt als Mehllager genutzt. Als diese wegen der Feuchtigkeit in diesen Räumen wieder aufgeben musste, nutzte die Gelatinefabrik Schweinfurt die Örtlichkeiten als Ausweichlager. Nach dem Krieg machte der Besitzer, die Brauerei Werner, ein Fasslager daraus. In den Wohnungen in den drei Stockwerken dieses Gebäudes wurden ab dem Jahre 1938 während des Westwallbaues evakuierte Bürger aus der Pfalz untergebracht. Nach dem Krieg wurden sie meist von Heimatvertriebenen bewohnt. Als Richard Dietz und seine zweite Frau Maria die "Gastwirtschaft zur alten Brauerei" als Pächter aufgaben, wohnten auch sie von 1958 bis 1960 in einer dieser Wohnungen. Maria Lösel, die Witwe des Schulleiters in Aschach, die nach dessen Tod das Schulgebäude verlassen musste, schlug wegen Wohnungsmangels ebenfalls ihr Domizil hier auf. Auch eine Familie Karl Heilmann aus Zahlbach war von 1939 bis 1954 unter den Bewohnern. Da aber die Räume in diesem Gebäude sehr hoch gebaut und dadurch sehr schwer zu beheizen waren, wurden die Wohnungen stets als eine Notlösung betrachtet; hatte man etwas Besseres gefunden, zog man wieder aus.

In dieser Zeit, im Jahre 1955, wurde auch der ca. dreißig Meter hohe Kamin am Ende des Gebäudes Richtung Großenbrach gesprengt und beseitigt. Das Kesselhaus daneben ließ man noch stehen, es diente einigen Mietern als Werkstatt. In den 1960er Jahren stand das Gebäude dann leer, niemand wollte mehr in dem Bauwerk wohnen, das mehr und mehr zerfiel. Die Kinder machten sich einen Spass daraus, die Fensterscheiben einzuwerfen. Die einstmals große Brauerei wurde zur Ruine.

Um endlich diesen Schandfleck zu beseitigen, erwarb die Gemeinde Aschach unter Bürgermeister Gerald Lösel am 8. Januar 1969 das alte Malzhaus und das alte Eishausgebäude mit dem dazugehörenden Grundstück. Der Preis laut Kaufvertrag durch Rechtsanwalt Nägle betrug für das gesamte Anwesen 42.000 DM.

Das Angebot vom 19. März 1969 für den Abbruch der beiden Gebäude von der Abbruchfirma Hoffritz aus Schweinfurt betrug 62.000 DM. Etwas billiger legte schließlich die Firma Lothar Kopp aus Aschach die großen geschichtsträchtigen Bauwerke ein und beseitigte die Relikte einer vergangenen, unwiederbringlichen Epoche.

Die großen landwirtschaftlichen Gebäude, die alles überstanden hatten, wurden von der Gemeinde meist als Lagerstätten genutzt. Als im Jahre 1972 im Kunstdüngerlager durch Selbstentzündung ein Brand ausbrach, wurden die Gebäude so sehr geschädigt, dass auch sie abgebrochen werden mussten.

Heute kann man das Gebäude mit dem sehr unschönen Baustil, in dem z. Zt. ein griechisches Lokal untergebracht ist, das ehemalige, jetzt ungepflegte Wohnhaus von Ludwig Stolle und die baufällige Kegelbahn noch sehen.

Wer auf dem großen Parkplatz, gleich am Eingang von Aschach, sein Fahrzeug für einen Schlossbesuch abstellt, kann wohl nicht wissen, dass er sich auf einem Grundstück befindet, auf dem vierhundert Jahre Brauereigeschichte geschrieben wurde. Auf dem Platz, auf dem zum Ende dieser Ära die prachtvollen Gebäude der großen Brauerei der Gebrüder Stolle standen, die leider nur für ein zwanzigjähriges Bierbrauen gebaut worden waren.

Plan der Brauereianlage der Gebrüder Stolle
Plan der Brauereianlage der Gebrüder Stolle

Der ehemals fürstbischöfliche Felsenkeller vom Jahre 1597

Auf der anderen Seite der Straße, schräg gegenüber der ehemaligen Brauerei, beim Anwesen Schlossstraße 20, ist der Eingang zu einem in dieser Gegend einmalig großen Kellergewölbe. Laut der Jahreszahl 1597, die über dem Eingangstor eingeschlagen ist, wurde der Keller zur Zeit der Erstellung der fürstbischöflichen Brauerei im Jahre 1594 gebaut. Die Gewölbegänge mit Abzweigungen haben zusammen eine Länge von 187 m und führen bis zur ehemals fürstbischöflichen Wirtschaft, dem heutigen Gasthaus Körblein. Die Gänge liegen ca. 10 m unter der Erdoberfläche und waren eine Verbindung zwischen der Brauerei und dem Gasthaus. Ein größerer Raum mit ca. 5 m Länge, 4 m Breite und 5 m Höhe war höchstwahrscheinlich der Ort, an dem das Eis gelagert war, das im Winter aus dem nahegelegenen Weiher neben der Saale gebrochen wurde. In den immer kühlen Gängen des Kellers waren die Bierfässer der jeweiligen Brauerei in den vielen Epochen gelagert. Einmal wurde im Kellergang zwischen der Brauerei und der Gaststätte eine Mauer gezogen, die den Durchgang verhinderte. Vielleicht geschah dies im Jahre 1888, als zu Zeiten der Witwe Barbara Körblein die beiden Anwesen, die Gaststätte und die Brauerei, voneinander getrennt wurden und beide den Keller noch nutzten.

Zu Zeiten der Brauerei der Gebrüder Stolle wurden die Gewölbe noch als Bierlagerstätte genutzt. Für die Lagerung des Eises brauchte man ihn nicht mehr, da man zum Komplex der Brauerei ein Eishaus gebaut hatte. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde der historische Keller noch als Schutzbunker genutzt, während die deutsche Wehrmacht die Brücke über die Saale sprengte. Seitdem steht der Keller leer, die zugemauerte Wand ist wieder durchbrochen; als Lagerstätte ist er viel zu feucht. Der Keller wurde nicht mehr gebraucht.

Als Martha Berger am 25. August 1960 die Gastwirtschaft zur alten Brauerei übernahm, ging damit auch der große Keller, der weder aus einem amtlichen Lageplan ersichtlich noch im Grundbuch eingetragen ist, in ihren Besitz über. Laut den Ausführungen ihres Rechtanwalts, Dr. Seufert von Bad Kissingen, vom Jahre 1964, ist der jeweilige Eigentümer des Grundstücks Pl. Nr. 106, das gegenüber der Gastwirtschaft auf der anderen Straßenseite liegt, "berechtigt diesen Keller zu haben".

Somit ist Frau Ursula Bauer, die jetzige Besitzerin der Gaststätte, auch die Besitzerin des großen Kellers, der seine Funktion als solches wahrscheinlich für immer verloren hat und vielleicht einmal zu einer großen Belastung werden kann.


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